Leserbriefe

Bürgerbeteiligung ist erwünscht

17.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jens-Heiko Adolph, NT-Zizishausen. Am 10. November wurde im K3N die geplante Bebauung erstmals der Bevölkerung vorgestellt. Wir Nürtinger Bürger hatten dann in der Vorweihnachtszeit vier Wochen, um schriftlich Einspruch zu erheben. Die Planung zeichnet sich durch eine von Betonklötzen gedrängte dichte Bebauung aus – auf dem Filetstück unserer Innenstadt. Die Stadt wirbt für ihr Konzept mit dem Gewinner eines Architekturwettbewerbs. Nur, Architekten setzen gestalterisch um, was vorgegeben wurde. Ist es also überraschend, dass Betonklötze mit Pultdach in die Silhouette unserer Altstadt geplant wurden, wenn dichte Bebauung vorgegeben war?

Dabei gäbe es wirklich Alternativen: ein Park kombiniert mit Kinderspielflächen. Oder eine Teilbebauung mit Satteldächern, die sich in das herrliche Bild der Altstadt einfügt und dennoch Raum für das Erleben unseres Neckars lässt. Es gibt diverse Varianten, die allen Bürgern, Kindern und auch Touristen nützen. Doch Alternativkonzepte sind nicht bekannt. Ein Landeszuschuss von 900 000 Euro für die Bebauung in Sanierungsgebieten begründet die Alternativlosigkeit der Planung. Doch welche Gelder könnten alternative Fördertöpfe wie zum Beispiel zur Renaturierung des Neckarufers bringen?

Welche Möglichkeiten ergäben sich durch eine Stiftung? Wie hoch wären die Grundstückerlöse bei einer attraktiven Teilbebauung an der Wörthstraße? Wie profitiert Nürtingens Einzelhandel und Gastronomie, wenn wir touristisch attraktiver werden? Durch den Fluss haben wir das Potenzial!

Jeder professionelle Entscheidungsprozess begründet sich in der Erörterung und Abwägung von Alternativen. Erst zum Schluss wird die favorisierte Variante detailliert. Dieses Vorgehen wurde ignoriert, Bürger im Vorfeld nicht beteiligt. Nürtingen braucht auch keine isolierte Wörth-Entscheidung, sondern ein Gesamtkonzept, das mindestens die Kunstakademie, die alte Psychiatrie und das Wörth-Areal umfasst. Ein erster Schritt ist Planungsstopp, echte Bürgerbeteiligung, Transparenz und eine ergebnisoffene Diskussion. Das Forum Wörth, eine Interessengemeinschaft von Nürtinger Bürgern, ist bereit zur konstruktiven Mitarbeit am runden Tisch. Eine riesige Chance, um nun wirklich Bürgernähe zu beweisen.

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