Leserbriefe

Bildung für alle Sinne tut not

25.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Professor a. D. Helmuth Kern, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Immer mehr Kinder im Land können nicht Rad fahren“ vom 14. August. Die Landesregierung setze auf das Fahrrad als Verkehrsmittel, doch immer mehr Kinder könnten in der 4. Klasse wegen fehlender motorischer Fähigkeiten noch nicht Rad fahren. 13 000 Schüler seien bei der Radprüfung durchgefallen. Im Schuljahr 2017/18 hätten 13,2 Prozent das Lernziel nicht erreicht. Drei Jahre davor seien es nur 7,9 Prozent gewesen. Um dieser Fehlentwicklung gegenzusteuern, sei in den neuen Bildungsplänen ein Motoriktraining im Sportunterricht der Klassen 1 und 2 vorgesehen, heißt es im Artikel von Jürgen Bock.

Unter den Gründen für das Defizit im motorischen Verhalten der Kinder wird zwar auch deren geändertes Freizeitverhalten genannt: Sie säßen heute öfter vor Computer und Fernseher. Dass vielleicht auch die von der Regierung geförderte „digitale Bildung“ ein Beitrag zur Verhinderung der Entwicklung von Motorik sein könnte, bleibt offen. Zu Recht fordert das Bündnis für humane Bildung: „Die Bildungspolitik braucht einen neuen Kurs. Statt der einseitigen Fixierung auf Digital-Technik muss der Mensch wieder im Mittelpunkt stehen. Mit der Vielfalt seiner Lern- und Bildungsprozesse. Geben wir unseren Kindern eine Chance auf eine humane und demokratische Zukunft. Alternativen gibt es immer – auch und gerade zum digitalen Hype der Gegenwart.“

Die renommierte Kinderärztin Dr. h. c. Michaela Glöckler plädiert dafür, dass für die gesunde körperliche und seelische Entwicklung der Kinder der Umgang mit Tablets und Smartphones in den ersten neun Lebensjahren tabu sein müsse und in der Schule erst ab dem 16. Lebensjahr zum Einsatz kommen solle. „Denn wie soll sich ein gesundes Nerven-Sinnessystem ausbilden, wenn in den wichtigsten Entwicklungsjahren digital Eindrücke verarbeitet werden müssen, die nur Auge und Ohr ansprechen, alle anderen Sinne ausgrenzen und dazu noch keine reale Interaktion mit der Umwelt vermitteln.“

Auch aus meiner eigenen Tätigkeit weiß ich um die pädagogische Bedeutung, einen Sachverhalt mit allen Sinnen zu untersuchen und zu verstehen. Kinder sind nun mal Motoriker, sie entdecken die Welt, indem sie sich in ihr bewegen, sie mit allen Sinnen erkunden – man muss sie nur lassen und die Bewegungsverhinderer wie Smartphone, Tablet und Co. auf das reduzieren, was sie sie sind: Maschinen, zwar mit Faszination, aber mehr auch nicht.

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Kein Beitrag zur Barrierefreiheit

Manfred Reichle, Nürtingen. Zum Artikel „Kompromisse für den Schillerplatz“ vom 8. November. Dass nun ein Baum weniger gefällt werden soll als ursprünglich geplant, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun sind zwei Bäume so krank, dass man sie fällen muss – (ein Schelm, wer Böses…

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