Leserbriefe

Besserung ist leider nicht in Sicht

23.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Stefan Kromer, Wendlingen. Zum Leitartikel „Falsche Ratschläge“ vom 17. März. Markus Grabitz zeigt in seinem Leitartikel sehr deutlich, welches Denken unserer inländischen Wirtschaft in den letzten Jahren so extrem geschadet hat. Da soll also Frankreich denselben Unsinn der Lohnzurückhaltung wiederholen, welche die deutsche Binnennachfrage in den letzten Jahren nachhaltig abgewürgt hat. Ich behaupte, dass unser Land, entgegen der Verlautbarung unserer Kanzlerin, unter seinen Verhältnissen lebt. Die seit Jahren praktizierte, einseitige Exportgewichtung und die damit einhergehende Verbesserung der Wettbewerbssituation mittels Lohnzurückhaltung hat uns geschadet. Was nützen all die schönen Schuldner-Titel, wenn man sie am Ende gar nicht eintreiben kann?

Griechenland ist das erste Land, das nach logischen Gesichtspunkten aus der Euro-Währungsgemeinschaft austreten müsste, um finanziell wieder auf die Füße zu kommen. Außerdem, welcher Teil des Gewinns kommt bei den Arbeitnehmern an? Den bloßen Erhalt des Arbeitsplatzes als Gewinn zu bezeichnen empfinden viele sicherlich als Hohn, die für 900 Euro brutto ganztägig arbeiten. Wenn Lohnzurückhaltung aber die Kaufkraft schwächt, dann leidet der größte, nämlich inländische Teil der Wirtschaft zu Lasten der Exportwirtschaft darunter. Das Abwerten der Währung, von Grabitz als Trick bezeichnet, ist auch heute für viele Länder der einzige und richtige Weg, ihr Handelsdefizit aufzufangen. Die scheinbaren Erfolge der deutschen Wirtschaft als solche zu benennen und dann auch noch zu behaupten, sie wären der Reformitis der letzten Jahre geschuldet, kann ich nur als lächerlich empfinden. Wenigstens gibt er beiläufig in seiner Lobeshymne auf die Reformer zu, dass der immer größer werdende Niedriglohnsektor politischen Entscheidungen zu verdanken ist. Diesen Sektor als Gewinn zu verkaufen, ist hingegen mehr als dreist.

Von Joan Robinson, einer britischen Ökonomin, stammt das treffende Beispiel, was passiert, wenn ein Besucher in einem voll besetzten Kinosaal aufsteht. Der eine verbessert seine Situation, doch zwingt er mit seinem Verhalten alle anderen Besucher, es ihm nachzutun. Am Ende stehen alle und für alle hat sich die Situation verschlechtert. Nichts anderes passiert, wenn Länder untereinander konkurrieren, indem sie wichtige Größen der Volkswirtschaft, wie Löhne und Steuern, um die Wette kürzen. Bezeichnend für Experten wie Herrn Grabitz ist, dass sie so tun, als könnte man Abgaben und Steuern nicht verändern, gleichzeitig aber die Höhe der Löhne für unendlich flexibel halten. Leider ist Besserung nicht in Sicht.

Leserbriefe

Schulen können selbst bestimmen

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Vorletzter bei Ganztagsschule“ vom 18. Oktober. Interessant, dass jetzt die Bertelsmann-Stiftung bestimmt, was gut und was schlecht ist. Zu den Fakten: Die Einführung einer Ganztagsschule im Ort bestimmt laut Gesetz der Schulausschuss einer Schule,…

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