Leserbriefe

Bausünden und Wettbewerbe

20.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paul Michael Kaufmann, Nürtingen. Zum Leserbrief „Stadtbildsatzung ist nutzloses Papier“ vom 16. September. Frau Dolde sagt „Nahezu alle bekannten Nürtinger Bausünden sind Kinder eines Wettbewerbs“. Diese Pauschalverurteilung des Architektenwettbewerbs kann nicht unwidersprochen bleiben. Ihr Fazit ist, eine Stadtbildsatzung erübrige sich, da die Historienhotspots ohnehin einem Bauwettbewerb anheimfielen. So sehr ich Frau Dolde als Protagonistin des Hölderlinhauses schätze: Ihre genannten Beispiele sind nicht gerade eine investigative Glanzleistung und zeugen eher von einer dichterischen Bewusstseinsebene abseits der Niederungen der Realität.

Nur: Damit wird man dem Thema nicht gerecht. Dem Neubau der „Passage 33“ ging mitnichten ein Wettbewerb voraus. Ein Architekt erhielt den Direktauftrag. Und so erfolgreich Helmut Kuby stellvertretend für die Architektenschaft für den Erhalt des Hölderlinhauses gekämpft hat, so erfolglos war ausgangs der 50er-Jahre unseres Kollegen Remppis verzweifelter Kampf um den Verbleib des „Steinernen Baus“. Der anschließende Wettbewerb war für die Katz. Die damalige Volksbank hat ihren Neubau nach langem Gerangel nicht von einem Wettbewerbsteilnehmer, sondern von dem Stuttgarter Professor Gutbier erbauen lassen.

Man könnte nun also über den Verriss des Architektenwettbewerbs im Altstadtbereich hinweggehen, wenn er nicht ein Schlaglicht auf ein Grundproblem werfen würde: Bauhistorische Relikte werden nicht nur nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten, sondern vorwiegend nach ökonomischen Kriterien umgestaltet. Gerade die Beispiele der beiden Institute Volksbank und Kreissparkasse zeigen, dass das Thema sehr komplex ist und mehrere Anläufe erfordert. Deshalb ist es tatsächlich sinnvoller, historische Highlights von der Stadtbildsatzung wie geplant auszuklammern und damit für Wettbewerbe offenzuhalten.

Dies gilt neben Umbauten auch für Neubauten, denn eine Altstadt ist kein Museum. Sensibler Weiterbau darf nicht als Verrat am historischen Erbe aufgefasst werden. Beispiel: War früher das grobe Kopfsteinpflaster eine Gefahr für Fuß und Huf, so stöckelt heute die Damenwelt in Pumps gefahrlos über die glatte Fußgängerzone. Die Kreissparkasse und deren Umfeld am Obertor wurde nach der Interimsphase mit dem Würfelbau zur stadtbildverträglichen Gesamtlösung entwickelt.

Also bitte nicht pauschal mit einem Rundumschlag den Wettbewerb verdammen! Architektenwettbewerbe sind und bleiben auch nach der anstehenden Entscheidung über die Stadtbildsatzung ein Instrument für die Neuschöpfung qualitätsvoller Architektur, auch in der Altstadt.

Leserbriefe

Schulen können selbst bestimmen

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Vorletzter bei Ganztagsschule“ vom 18. Oktober. Interessant, dass jetzt die Bertelsmann-Stiftung bestimmt, was gut und was schlecht ist. Zu den Fakten: Die Einführung einer Ganztagsschule im Ort bestimmt laut Gesetz der Schulausschuss einer Schule,…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe