Leserbriefe

Bankrotterklärung für den Staat

02.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wolfgang Ziegler, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Renten steigen deutlich langsamer als Löhne“ vom 1. September. Ich habe selten ein Artikel gelesen, der so zynisch und wirklichkeitsfremd die zukünftige Altersarmut der deutschen Arbeitnehmer beschreibt. Wie viele Millionen Arbeitnehmer verdienen mit Duldung oder gar Billigung dieses Staates einen Lohn, von dem sie nicht anständig leben, geschweige denn eine Familie gründen können. Von diesem Lohn wird auch noch Sozialversicherung abgezogen.

Wovon soll er, „wie der Herr Ministeriumssprecher rät“, noch eine zusätzliche Altersvorsorge finanzieren? Er wird im Alter von wahrscheinlich über 67 Jahren ähnlich „Hartz IV“ in Armut leben müssen, mit dem Unterschied, dass ihm dafür auch noch jahrzehntelang Rentenversicherungsbeiträge abgezogen wurden. Aber auch Arbeitnehmer, die jetzt noch ein Normaleinkommen zur Verfügung haben und zusätzlich Lohnsteuer bezahlen, wobei dann oft nur noch 50 Prozent und weniger übrig bleiben, sind vor Altersarmut nicht sicher. Kaufkraftverluste durch niedrige Lohnerhöhungen, weiter steigende Gesundheitskosten, bei denen sich die Arbeitgeber nicht mehr beteiligen, geplante Erhöhung der Pflegeversicherung – „Gute Pflege ist nicht zum Nulltarif zu haben“, wie ein Minister kürzlich zu bemerken pflegte – werden weiter das Nettoeinkommen reduzieren und somit auch die Möglichkeit, zusätzliche Altersvorsorge zu finanzieren.

Für einen Staat, der immer Mittel zur Verfügung hat, wenn er zusätzliche Bürokratie schafft, Einkommen von Abgeordneten erhöht, Lobbyistenwünsche erfüllt oder diverse Rettungsschirme finanziert, ist das eine Bankrotterklärung als Sozialstaat und eine Schande für die Demokratie, die der übrigen Welt als mustergültig angepriesen wird.

Leserbriefe

Kein Beitrag zur Barrierefreiheit

Manfred Reichle, Nürtingen. Zum Artikel „Kompromisse für den Schillerplatz“ vom 8. November. Dass nun ein Baum weniger gefällt werden soll als ursprünglich geplant, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun sind zwei Bäume so krank, dass man sie fällen muss – (ein Schelm, wer Böses…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe