Leserbriefe

Autobahnschild: Eine Stadt mit Kirchturm

18.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Bericht „St. Laurentius als Blickfang“ vom 16. Dezember. Würde ich die Grafik des neuen Nürtinger Autobahnschilds meinem Lehrer Otto Zondler vorlegen können, wüsste ich jetzt schon, wo er seine korrigierenden Striche anbrächte: handwerkliche, grafische, künstlerische Mängel. Die Helmhaube des Turms wirkt wegen schlampiger Konturlinien zu fett, die Uhr der Stadtkirche steht langweilig auf halber drei, der Rest der Altstadt ist braune Masse, keine Linien im leeren Himmel, die Nürtingens liebliche Bläue in weißer Luft andeuten. Ein billiges Fließbandstück aus anonymer Behördenallmacht, bar jeder Schöpferkraft.

Mit dieser uninspirierten Zeichnung der Stadtsilhouette soll nun Nürtingen auf der Autobahn punkten. Die genormte Darstellungsweise genügt keinem gestalterischen Anspruch, weil sie durch Behördennorm vereinheitlicht ist. Nürtingen wird reduziert auf das grafische Niveau von Ampelmännchen und Durchfahrtsverboten. Das Individuelle wird einer braunen Uniform geopfert. Wenn das Schild wenigstens werbetechnisch ein Knaller wäre. Es sind aber alle Grundsätze verletzt: Nichts macht neugierig, nichts heftet den Blick für Sekunden, nichts rührt an Gefühle, keine Blitzinformation außer „Kirchturm“. Jede Wette: Die Tafel taugt und bringt nicht viel, ist ein bloßes Verkehrsschild („Hallo Leute, es gibt hier eine Stadt mit einem Kirchturm“).

Dem Gemeinderat indessen soll’s gefallen haben. Mir nicht. Gefragt worden im Sinne von Einfluss auf eine Entscheidung ist der Gemeinderat in keiner Phase der Angelegenheit. Übrigens: Sollte damit die Frage entschieden sein, wer sich an deutschen Autobahnen als „Hölderlinstadt“ ausweisen darf und wer nicht mehr, weil Lauffen zuerst „Hier“ gerufen hat, dann muss man die Frage nach den Kompetenzen der oberen Behörde stellen. Weder biografisch noch literarisch und auch nicht historisch ist Lauffen die erste oder einzige Hölderlinstadt in Deutschland. Vielleicht autobahntechnisch. Aber wenn solche Kategorien über die Verortung herausragender Kultur entscheiden und damit Fakten verbiegen, dann brauchen wir uns um nichts mehr zu kümmern.

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