Leserbriefe

Augenmaß sieht anders aus

05.01.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jörg Balbach, NT-Oberensingen, Mitglied im Bürgerausschuss. Zum Artikel „Anschlussunterbringung mit Augenmaß“ vom 20. Dezember. Zunächst möchte ich hier auf eine Falschmeldung hinweisen: Der Bürgerausschuss Oberensingen war in seiner Sitzung am 27. Oktober keinesfalls für eine Neubebauung in der Grötzinger Straße für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen und Asylanten. Laut Protokoll war bei der Abstimmung nur eine Person dafür, 17 Anwesende waren dagegen, bei fünf Enthaltungen. Das Einzige was im Bürgerausschuss durchklang war, dass wenn überhaupt gebaut werden sollte, nur die „kleine Lösung“ in Frage kommen könnte.

Die geplante Bebauung ist meiner Meinung nach mitnichten eine Lösung mit Augenmaß, ganz im Gegenteil. Wie in dem Artikel hingewiesen wird, wohnen in dem Areal schon jetzt 86 Personen aus sozial schwächeren Gesellschaftsschichten, teilweise auch Obdachlose. Wenn man jetzt nochmals etwa die gleiche Anzahl an Flüchtlingen und Asylanten dort unterbringen möchte, entsteht dort in meinen Augen ein sozialer Brennpunkt, von optimalen Integrationsmöglichkeiten kann hier am äußersten Ortsrand also nicht ausgegangen werden. Außerdem kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass mit dem Bau der jetzt beschlossenen Gebäude alles erledigt ist. Wie im Artikel erwähnt, sollen ja in einem zweiten und dritten Schritt die jetzt baufälligen Gebäude abgerissen und durch andere ersetzt werden. Hier spricht man ja schon jetzt von einer „verdichteten“ Bauweise rechts der Hauffstraße, sodass davon ausgegangen werden kann, dass dort dann deutlich mehr Menschen wohnen werden als momentan. Und wie dann links von der Hauffstraße ein „höherwertiger Wohnraum“ aussehen soll, ist mir derzeit auch ein Rätsel. Es kann sich ja eigentlich auch nur um sogenannten „kostengünstigen Wohnraum“ handeln und wenn die Stadt bis dahin ihre Stadtbaugesellschaft gegründet hat, braucht sie dafür nicht mal mehr einen privaten Bauträger zu suchen.

Bei alledem muss auch noch bedacht werden, dass die Stadt in der Grötzinger Straße neben dem Gebäude Nummer 42 auf einem weiteren städtischen Grundstück ein Gebäude für kostengünstigen Wohnraum plant. Ein Bebauungsplan für dieses Grundstück ist bereits in Arbeit. Alles in allem will die Stadt hier in meinen Augen Fakten für die Zukunft schaffen: Flüchtlinge, Asylanten und sozial Schwächere am Ortsrand ansiedeln, wo man mit wenig Gegenwind der Bevölkerung rechnet. Es soll hier, um es ganz deutlich zu sagen, ein Getto geschaffen werden ohne Rücksicht auf die Belange einer erfolgversprechenden Integration der Geflüchteten und der sozial Benachteiligten. Mit diesem „Augenmaß“ kann eine Integration und eine soziale Durchmischung nicht gelingen.

Leserbriefe

Die Stomleitung in den Boden verlegen

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist…

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