Leserbriefe

Aufklärung statt Stammtischparolen

10.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Grün-Rot setzt Homosexualität auf den Stundenplan“ vom 8. Januar. Es gibt Frauen mit männlichem Geschlechtsorgan, Männer mit Vagina und Menschen mit beidem. Es gibt Menschen, die Personen ihres eigenen Geschlechts sehnsüchtig und zärtlich zugetan sind. Als Kind habe ich gelernt, der Liebe Gott sei Urheber und Schöpfer aller Dinge. Die CDU, sich christlich nennende Partei im Lande, sieht das anders. Sie warnt vor einer „pädagogischen, moralischen und ideologischen Umerziehung“ an unseren Schulen, wenn die Vielfalt der Geschlechtlichkeit und der Liebe Unterrichtsgegenstand werden sollen. Die CDU irrt.

Als es noch nicht offiziell in den Lehrplänen vorgesehen war, habe ich jahrelang in zig Unterrichtsstunden Schülerfragen zu beantworten versucht wie diese: Warum sind schwule Männer ähnlich sensibel wie Frauen, warum gibt es unter Kreativen so viele Schwule, wird man schwul oder ist man schwul, warum hat sich unser schwuler Mitschüler umgebracht? Meine Antworten folgten stets meiner Lebenserfahrung und meinen Erfahrungen mit Schwulen und Lesben in der Musik und am Theater. Aber damals, als ich jung war, blieb das alles noch verborgen und ängstlich geschützt, heute wird es wahrgenommen und freiheitlich gelebt.

Niemand kann und sollte erzählen, es finde „Umerziehung“ statt, wenn man mit Schülern erörtert, was der Fall ist! Soll man denn Lehrinhalte nach ranzigen Moralvorstellungen zurecht stutzen? Leider zeigen sich dabei Religionen besonders rückständig, besser: gewisse Religionslautsprecher, die sich anmaßen, über Gottes Schöpfung den Stab zu brechen, und wie Aschenputtel die Menschen in normale und abnormale einteilen zu dürfen. Bildungspolitik nach Heimwerker-Moral geht aber nicht. Das widerspricht der Neugier und der Offenheit junger Menschen. Rudeltiere verbeißen ihre Mitglieder, die vom Mainstream abweichen. Die europäische Aufklärung hat dies überwunden. Aber offensichtlich nicht in allen Köpfen. Und wer die politische Macht im Lande zurück gewinnen möchte, der sollte nicht Aufklärung streichen und sich mit Stammtischparolen auf dumpfen Evolutionsmüll berufen.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe