Leserbriefe

Altlasten

12.02.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Hermann, Frickenhausen. Zum Artikel Bach verunreinigt vom 1. Februar. Mit Erstaunen habe ich im Polizeibericht die Anzeige einer Gewässerverunreinigung des Ghaibaches gelesen. Noch interessanter ist die urplötzliche Feststellung einer ehemaligen Mülldeponie inmitten des dortigen Streuobstwiesengebietes. Ist diese tickende Zeitbombe aus den Köpfen der Bevölkerung verschwunden? Manch älterer Anwohner und Wiesenbesitzer weiß sicherlich noch zu gut um die Geschehnisse vor rund 30 Jahren im Gebiet Ghai. Und die Schlange der Mülllaster auf der Weinbergstraße, jetzt Kelterstraße, die täglich ihr Gift im heutigen Naturschutzgebiet abgeladen haben.

Ich selbst bin in geringer Entfernung von diesem Bach aufgewachsen, habe als Kind tagelang im gesamten Ghai-Gebiet gespielt und wusste nur zu gut von den ausdrücklichen Warnungen der Erwachsenen, diese orangefarbenen Stellen zu meiden. Und ich tat es auch. Bei Regenwetter stehen auf den dortigen Wiesen bis heute immer wieder ölschillernde Wasserlachen, auf dem geteerten Fußweg drückt die gleiche Brühe durch den Belag an die Oberfläche und verziert den Asphalt in allen Farbstellungen. Bienen trinken an sonnigen Tagen aus diesen Pfützen. Einem Schäfer, der vor einiger Zeit noch seine Herde auf den Wiesen hielt, verendeten zwei Tiere, als diese zufällig aus dem dortigen orangenen Bach getrunken hatten. Das Abmähen dieser Wiesenflächen endet in einer Bewährungsprobe für einen modernen Traktor. Tiefe Furchen im morastigen Untergrund zeugen nach der getanen Arbeit vom Zustand der Grünfläche. Ein undefinierbarer Geruch in der Nähe der farbigen Stellen rundet das Gesamtbild ab. Seltsamerweise wachsen auf den Bäumen am Rand dieser Flächen und den anliegenden Grundstücken die prächtigsten Früchte. Ob diese so gesund sind? Der Ghai-Bach ist ab den Einleitungsstellen der Mülldeponieentwässerung optisch betrachtet so gut wie tot. Was wohl bei den Gewässeruntersuchungen der Polizeidirektion Esslingen ans Tageslicht gebracht wird? Es weiß fast niemand mehr, welche Mengen an vermutlich hochgiftigem Abfall dort vergraben liegen und gären. Oder möchte es niemand wissen und man wartet darauf, dass Gras darüberwächst? Das ist eigentlich schon jahrelang geschehen. Aber der Müll ist leider stärker als die Natur. Diese Rechnung ist somit nicht aufgegangen. Es ist gut, dass dieser Schandfleck im Naturschutzgebiet zur Anzeige gebracht wurde.

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