Leserbriefe

Altenpflege, der TÜV und die Realität

25.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Thomas Strohschneider, Ostfildern-Ruit. Was ist unserer Gesellschaft eine menschenwürdige Alten- und Pflegebetreuung wert? Seit der Reform der Pflegeversicherungen 2008 ist der sogenannte „Pflege-TÜV“ gesetzlich fixiert, stationäre Pflegeeinrichtungen werden von Experten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) auf ihre Qualität überprüft. Diese an sich gute Idee mit Bewertungen angelehnt an das Schulnotensystem, um verlässliche Entscheidungshilfen bei der Auswahl von Pflegeeinrichtungen zu geben, wird durch die Praxis konterkariert. Absurd ist, dass die Anzahl der Pflegekräfte nicht berücksichtigt wird. Es wird geprüft, wie gut Pflegekräfte dokumentieren, aber nicht wie personalintensiv die Pflege geleistet wird. Statt mehr Transparenz besteht eine Desinformation durch ein falsch konzipiertes Bewertungssystem.

Die derzeitige Gesetzeslage erlaubt Altenheimbetreibern, dass bis zu 50 Personen von einer einzigen Pflegekraft in der Nacht betreut werden dürfen! Dies wird von vielen schamlos ausgenützt unter Verweis auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Selbst Träger wie die Evangelische Altenhilfe in Baden-Württemberg sehen keine Möglichkeit, in einem Heim mit 47 Bewohnern mehr als eine Pflegekraft in der Nacht einzusetzen, die dazu hin noch zwölf Personen im benachbarten betreuten Wohnen im Notfall erstversorgen soll. Aufsichtsbehörden, wie zum Beispiel das zuständige Landratsamt, verweisen auf die entsprechenden Gesetzesbestimmungen. Verhandlungen über Reformen sind im November am Widerstand des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe und des Arbeitgeber- und Berufsverbandes der Privaten Pflege gescheitert.

Man stelle sich vor, eine Schule würde mit 50 Schülern einen Schullandheimaufenthalt mit einem einzigen Betreuer durchführen. Ein Aufschrei würde durch die Elternschaft gehen! Unsere alten Menschen haben offensichtlich keine Lobby! Dabei wäre es mehr als nur eine soziale Verantwortung, diesen Mitbürgern eine angemessene und würdige Versorgung zu gewährleisten. Wie realitätsfern und demütigend muss es für viele engagierte und motivierte Altenpflegerinnen und Pfleger sein, wenn ein Gesundheitsminister vorschlägt, vermehrt Hartz-IV-Empfänger in der Pflege einzusetzen.

Eine gute Altenpflege und die Versorgung Demenzkranker setzt eine qualifizierte Ausbildung voraus, der „Job“ erfordert ein hohes Maß an psychischer und physischer Belastbarkeit. Statt in die Ausbildung zu investieren, für angemessene Vergütungen der Pflegekräfte und vernünftige Personalschlüssel zu sorgen, will man mit „Billiglösungen“ das Problem angehen.

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