Leserbriefe

Alles nur ein Hölderlin-Hype?

08.05.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Ein Dichter lebt doch eigentlich vor allem in seinem Werk fort – nicht in alten, vielfach umgebauten Mauern – oder? Es ist ja erfreulich, dass in Nürtingen scheint’s erfreulich viele Menschen leben, die – täglich? – mindestens ein Hölderlin-Gedicht lesen und sich dann intensiv damit beschäftigen. Wahrscheinlich gibt es auch in Nürtingen eine größere Zahl von Menschen, die ihren „Hyperion“ gut kennen – und lieben. Sehr erfreulich! In ihm lebt Hölderlin weiter. Diese Menschen werden dann wohl auch in großer und bleibender Zahl in die beiden Räume des zu eröffnenden Hölderlin-Museums im Hölderlin-Haus walken. Vielleicht sogar mehr als bisher in den Hölderlin-Raum im Stadtmuseum? – den es ja als Gedächtnisstätte in Nürtingen gibt.

Hölderlin ist ein begnadeter Dichter gewesen – ohne Frage. Aber er hat für ein Publikum geschrieben, das, stark romantisch geprägt, sich überirdisch schönen Ideen hingab – oder noch hingibt. Es ist einleuchtend, dass Hölderlin sich in seiner realitätsfernen Idealität so verirrte, dass er im Turm zu Tübingen endete. Ein trauriges Schicksal im Streben nach so viel überirdischer Schönheit. Klar: das kann heute noch begeistern. Aber statt große, schwer zu füllende Räume zu seinem Gedächtnis einzurichten, wie es die Stadt derzeit vorzuhaben scheint, sollten die, die sein Gedächtnis lebendig erhalten wollen, vielleicht monatlich einen Hölderlin-Abend veranstalten, in dem aus seinen Werken vorgelesen und darüber gesprochen wird. Ich würde da mitmachen.

An dinglichen Manifestationen wäre vielleicht eine große Plakette im Eingangsbereich des neu gestalteten Hölderlin-Hauses wirkungsvoll, die einen jeden der zahlreichen täglichen Besucher mit einem monatlich wechselnden Gedicht in Großschrift eindrucksvoll begrüßen würde. Das wäre doch wirkungsvolle Vermittlung. Aber dass eine täglich von recht vielen Menschen besuchte Bildungsstätte sich einschränken soll, damit zwei doch wohl nur wenig besuchte und schwer zu füllende materielle Hölderlin-Gedächtnisräume abgezwackt werden – na ja . . . nur weil Hölderlin mal einige Jahre seins Lebens in diesem Haus verbracht hat – na ja. Für einen Dichter, der überhaupt nicht materiell gesinnt war – na ja. Ob man das wirklich irgendwie sinnvoll und zukunftsweisend nennen kann? Na ja!

Leserbriefe

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