Leserbriefe

"Akt kultureller Barbarei"

26.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Barbara Leib-Weiner, Nürtingen. Zum Artikel „Erwerle: Es hätte schlimmer kommen können“ vom 11. Juli. „Ein Akt kultureller Barbarei“– mit Worten wie diesen bedauert man heute in Lauffen den Abriss von Hölderlins Geburtshaus 1918. Anders als in manch verfälschender Berichterstattung geht es in erster Linie darum, diesen irreparablen Akt in Nürtingen zu verhindern. Nürtinger Bürger merken zunehmend, dass die Planung, dort einen Neubau zu errichten, wo jetzt das Hölderlinhaus steht, von Anfang an verfehlt war.

Das Hölderlinhaus in der Schlossgartenstraße war von 1774 bis 1798 das Elternhaus Hölderlins, des „Dichters der Dichter“, der „trotz seines schmalen Werkes heute der meistübersetzte deutsche Lyriker“ ist. Er sehnte sich ein Leben lang nach seiner Kindheit und Jugend, die er in diesem angesehenen Haus verbrachte. Mit Lauffen (heute hochgelobte Geburtsstätte), Nürtingen (Ort der Kindheit, Jugend und des frühen Mannesalters) und Tübingen (Krankheit und Alter, Sehenswürdigkeit Nummer eins der Stadt) hat Hölderlin trotz weltweiter Bedeutung seine Heimat in Württemberg.

Das Haus wurde 1750 für Duttenhofer erbaut und ist Bestandteil eines geplanten, später bewunderten Barockensembles mit Spital (Fachhochschule) und Umgebung. Es wurde in Größe, Kubatur, Fensterrhythmus bis heute erhalten, nur Dach, Fenster, Türen und Inneres wurden zu neuem Gebrauch verändert – es wurde jedoch nie abgerissen. Das Haus war danach wiederholt die erste Stätte des fortschrittlichen Bildungswesens des Spitals (Mädchen-, Industrieschule, Lehrerausbildung), später die Schule Nürtingens, von vielen Schülern geliebt.

Den Nürtingern wird Sand in die Augen gestreut: Der Keller sei als Erinnerung an Hölderlin das einzig Erhaltenswerte (nirgends erwähnt er ihn; verändert wurde der Keller auch). Ausgerechnet dort ist das Gedenken an ihn geplant. Die VHS hat Bedarf an Unterrichtsräumen: Das alte Hölderlinhaus hat zehn Unterrichtsräume, der Neubau neun (siehe Pläne).

Die Verwaltung muss in Zukunft im Stadtkern zentral sein: Das Technische Rathaus muss deshalb in den Neubau am Marktplatz (warum?). Der Hölderlinhaus-Neubau muss als „Kulturhaus“ (Verwaltung) infolgedessen um 50 Prozent größer werden als das alte Haus, bekommt einen an diesem Ort völlig unpassenden Flachdachteil und im Innern eine Unzahl von Verwaltungsräumen.

Es geht den Abrissgegnern darum, das Äußere des Hauses zu erhalten, das Innere zu nützen! Ein restauriertes Hölderlinhaus, als noch einziger authentischer Hölderlinbau, würde die Stadt verschönern, wäre ein Juwel, könnte als Tourismus-Highlight dienen.

Wollen wir Nürtinger, dass ein gewaltiger Verwaltungsneubau dieses ehrwürdige, geschichtsreiche Haus ersetzt, dass nicht nur Natur, sondern auch Kultur geopfert wird? Oder sind wir nicht doch dafür verantwortlich, dass sich künftige Bewunderer Hölderlins ein Bild von seiner Herkunft machen können?

Leserbriefe

Hochwasserschutz in Neckartailfingen

Sebastian Kurz, Neckartailfingen. Zum Artikel „Mit höheren Einnahmen Schulden getilgt“ vom 4. Oktober. Dem Artikel habe ich entnommen, dass der Gemeinderat zum wiederholten Mal den mangelnden Hochwasserschutz in der Gemeinde Neckartailfingen kritisiert und die Verwaltung zum Handeln aufgefordert…

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