Leserbriefe

Ackermanns Millionen und Hartz IV

20.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. „Ackermann kassiert fast zehn Millionen“ vom 17. März. Ist es nicht eine eigenartige Erscheinung unserer Zeit, dass, wenn es irgendwo knapp wird, beim Staat oder in den Firmen, die Lösung aus der Klemme immer vorwiegend bei denen gesucht wird, die wenig verdienen? Es wäre nicht uninteressant, mal zu errechnen, was da und dort bei den Gutverdienenden eingespart werden könnte. Das ist völlig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Eine beachtliche Propagandaleistung der „Besserverdiener“? Ich darf doch mal vermuten, dass ein jeder, der 100 000 Euro im Jahr verdient, damit ganz ordentlich leben kann. Mehr als 200 000 Euro im Jahr braucht wohl wirklich niemand. Und ab 500 000 Euro muss doch die Frage erlaubt sein: Was machen die mit ihrem Geld? „Braucht“ jemand drei Häuser im Süden? – eine Yacht im Mittelmeer? Braucht jemand das viele Geld, um es durch geschickte Anlagen zu vermehren? – das wäre doch absurd: er braucht das viele Geld, um zu noch mehr Geld zu kommen? – aber wozu? „Leistung soll sich wieder lohnen“ heißt die merkwürdige Parole. Sie gilt scheint’s nur für die Hochverdiener, nicht für die, die von einem Minimaleinkommen leben müssen.

Und was heißt hier „Leistung“? Leistet einer von denen, die mehr als 200 000 Euro – und mehr – verdienen, so viel mehr als zum Beispiel eine Krankenschwester? Die gegenwärtige Regierung sorgt sich offensichtlich vorwiegend um die Gutverdiener – und belastet die Kleinverdiener, wo es nur geht. Muss das eigentlich so sein? Stehen denn alle Parteien – und die meisten Medien – im Dienst der sogenannten „Leistungsträger“, für die 200 000 Euro Jahreseinkommen mehr oder weniger lächerlich sind? Die meisten Parteien klopfen Sprüche oder schauen weg. Sollte man nicht die, die mehr verdienen, als sie je wirklich brauchen, mit 75 Prozent und mehr besteuern und moralisch und polizeilich sehr hart angehen, wenn sie das Geld ins Ausland verschieben? Dann bekämen die hohen Einnahmen endlich einen Sinn. Dann könnte man denen, die mit 10 000 oder 15 000 Euro im Jahr auskommen müssen, ein Einkommen sichern, dass sich auch deren „Leistung“ wieder lohnt. Unmöglich?

Ackermann „verdient“ in diesem Jahr an die 10 Millionen Euro, das wird als Tatsache hingenommen – über die Höhe des Einkommens der Hartz-VI-Empfänger wird heftigst gestritten. Ist hier nicht eine Umkehr dringend nötig? Unten mehr und oben weniger täte der Wirtschaft (Binnennachfrage) gut, täte der Gemeinschaft gut. Warum wird das so selten diskutiert? Merkwürdig! Und wenn ich den schiefen Vergleich mit der „altrömischen Dekadenz“ nochmals benutzen darf: in der Spätzeit des Römischen Reiches wurden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer – und am Ende mochte und konnte niemand mehr das System verteidigen (Politikverdrossenheit).

Leserbriefe

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