Leserbriefe

1000 Unterschriften wurden übergangen

25.02.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bärbel Heß, Nürtingen. Zum Artikel „Kein Ersatz für die Laiblinsteg-Brücke“ vom 9. Februar. Zum ersten Mal erfuhren die Bürger von dem geplanten Abriss durch einen Artikel in der Nürtinger Zeitung vom 9. April 2013. Der nächste Artikel zum Thema folgte erst am 10. Dezember 2015. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten mehr als zweieinhalb Jahre Zeit zu prüfen, ob der Protest der Bürgerschaft gerechtfertigt ist und die Brücke tatsächlich stark frequentiert wird. Nichts dergleichen ist geschehen. Dafür wurde im Dezember 2015 zum ersten Mal die Katze aus dem Sack gelassen und der wahre Grund für die aufwändige Sanierung genannt, nämlich die Verbreiterung des Flussbetts als ökologischer Ausgleich für den Flächenverbrauch im Großen Forst.

Dieses Problem ist für den Gemeinderat offensichtlich wichtiger als das Anliegen seiner Wähler. Deshalb haben die Nutzer der Brücke zur Selbsthilfe gegriffen: im April 2016 fand eine Unterschriftensammlung, am 3. Juni eine Zählung der täglichen Frequentierung und am 11. Juni ein Vor-Ort-Termin mit allen Gemeinderäten statt. Ergebnis: mehr als 1000 Unterschriften und an einem beliebigen Werktag fast 1000-fache (941 Mal) Benutzung als Übergang in die Innenstadt beziehungsweise zurück. Spätestens seit Juni 2016, als Landschaftsarchitekt und Stadtrat Raimund Braun die Pläne mit der Kostenkalkulation eingesehen hat, wusste man, dass die Renaturierung des Steinach-Ufers einschließlich Erhalt der Brücke wesentlich günstiger hätte ausgeführt werden können. Und am 24. Juni konnte man in der Zeitung lesen, dass den Gemeinderäten Informationen vorenthalten werden und das Thema Laiblinsteg-Brücke vom OB „übergangen“ wurde, indem er die vorgesehene Sitzung mit diesem Tagesordnungspunkt einfach absagte. Nicht richtig ist auch, dass rund 800 Unterschriften gesammelt wurden. Es waren über 1000. Des Weiteren wird der Bau einer Ersatzbrücke angeschnitten. Dafür wurde den Anliegern durch den OB mehrfach Hoffnung gemacht.

Frau Bürgermeisterin Grau meldete sich erst, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Die Erfassung der Verkehrsströme hätte vor dem Abriss der Brücke erfolgen sollen! Fazit ist: die Bürger werden entweder gar nicht oder zu spät informiert und durch falsche Versprechungen hingehalten. Verschwiegen wurde bisher auch, dass sich beim Abriss der Brücke herausgestellt hat, dass sie gar nicht so sanierungsbedürftig war und noch ein paar Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte als Fußgänger- und Fahrradbrücke hätte dienen können. Eins steht allerdings fest: Vor allem Alte und Behinderte, die bisher zu Fuß in die Stadt gegangen sind, nehmen nun wieder das Auto. Gratulation für unsere Spezialisten im Rathaus!

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